Corona und Gewalt im häuslichen bzw. familiären Bereich

Jugend, Familie & Soziales
22. April 2020

Der Landkreis Berchtesgadener Land hat in der aktuellen Situation mit dem Corona-Virus bereits in verschieden Bereichen Verantwortungsübernahme und Zusammenhalt unter Beweis gestellt. Die meisten Menschen befolgen die Bestimmungen, daheim zu bleiben, Kontakte zu vermeiden und tragen somit dazu bei, das Risiko zu senken, sich oder andere mit dem Corona-Virus anzustecken und die Verbreitung zu fördern. Das eigene Zuhause ist für viele derzeit ein „sicherer Ort“. Für andere wiederum führen die aktuellen Gegebenheiten dazu, das eigene Zuhause als „riskanten Ort“ zu erleben. Damit sind die Menschen gemeint, die im häuslichen oder familiären Bereich Gewalt erfahren. Es betrifft vermehrt Frauen und Kinder, in weniger Fällen auch Männer.

Die derzeitigen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, die Schließungen von Schulen und Kindertageseinrichtungen sowie die veränderten Arbeitsbedingungen beeinflussen das Leben in Beziehungen und Familien in hohem Maße. Die Anforderungen und das Zusammenleben auf engem Raum mit einen hohen Zeitausmaß können einen deutlichen Anstieg von Stress erzeugen und auch Aggressionen auslösen – selbst bei Menschen, die nicht zu Gewaltausbrüchen neigen.


Umso wichtiger ist es darauf aufmerksam zu machen, dass gerade in Zeiten der sozialen Quarantäne, in der betroffene Personen auch seltener die Möglichkeiten bekommen, Kontakt zu Freunden oder Beratungseinrichtungen aufzunehmen, jeder einzelne dennoch etwas tun kann um den Betroffenen helfen. Damit sei vor allem ein Hinschauen und Handeln gemeint. Auch hier ist Verantwortung und Zusammenhalt gefragt.


Wer eine Gefährdung des Kindeswohls wahrnimmt, kann sich – auch anonym - an das örtliche Jugendamt wenden. Im Landkreis Berchtesgadener Land ist dieses über die Telefonnummer +49 8651 773 423 erreichbar. Die E-Mail-Kontaktdaten sind hier einzusehen. Wer Hinweise hat, dass eine Familie von häuslicher Gewalt betroffen ist, sollte die Polizeidienststelle kontaktieren.


Darüber hinaus stehen weitere Anlaufstellen zur Verfügung:

  • SkF Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (Traunstein & Freilassing): Telefon: +49 861 13021
  • Das Bundeshilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter täglich 24 Stunden und kostenlos unter Telefon +49 8000 116 016 erreichbar (Beratung in 16 Sprachen, Gebärdensprache, leichte Sprache möglich, Sofortchat und Online Beratung)
  • Das Hilfetelefon Sexueller Missbrauch ist kostenlos und unter Telefon +49 800 2255300 telefonisch (Montag, Mittwoch, Freitag: 9:00 bis 14:00 Uhr, Dienstag und Donnerstag 15:00 bis 20:00 Uhr) und via Online Beratung erreichbar.
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 11 (kostenfrei von Handy und Festnetz, Montag bis Samstag von 14:00 bis 20:00 Uhr sowie Montag, Mittwoch, Donnerstag von 10:00 bis 12:00 Uhr)
  • Elterntelefon: +49 800 1110550 (Montag bis Freitag 9:00 bis 17:00 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 17:00 bis 19:00 Uhr)


Eine umfangreiche Übersicht über die regionalen und überregionalen Unterstützungsangebote in Bezug auf erziehungsrelevante Fragen, Krisen oder bei familiärer und häuslicher Gewalt ist unter Downloads (siehe unten) abrufbar.