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Neophyten - "Pflanzliche Neulinge"

Neophyten – Neuankömmlinge (auch) im Berchtesgadener Land

Riesen-Bärenklau, Sommerflieder, Nachtkerze, Japanischer Staudenknöterich, Indisches Springkraut, Kanadische Goldrute und Ambrosie – alle diese Pflanzen kommen im Berchtesgadener Land vor und sie alle haben gemeinsam, dass sie ursprünglich nicht von hier stammen.   


Neophyten nennt man sie. Dabei handelt es sich um gebietsfremde Pflanzen, die in einem Gebiet ursprünglich nicht heimisch waren, aber mithilfe des Menschen dorthin eingewandert sind und sich dort ausbreiten konnten. So würden Neophyten bei uns also nicht natürlicherweise vorkommen – im Gegensatz zu den einheimischen Pflanzenarten, die mindestens seit dem Ende der letzten Eiszeit hier vorkommen, hier entstanden oder aus eigener Kraft eingewandert sind.

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Durch den Menschen eingeführt als Zier- und Nutzpflanzen

Seit der Entdeckung Amerikas (1492) wurden immer wieder und insgesamt mehrere 10.000 Arten nach Deutschland durch den Menschen eingeführt. Nicht alle aber konnten sich etablieren. In Deutschland sind demnach von den heute etwa 1.000 - 1.600 unbeständig vorkommenden gebietsfremden Pflanzenarten ca. 470 Arten etabliert, also dauerhaft vorkommend.


Dabei wurde die Hälfte der bei uns etablierten Neophyten beabsichtigt eingeführt – etwa als Zierpflanzen oder als Nutzpflanzen. Hierzu zählen z. B. die Kartoffel, Mais oder die Tomate, die ursprünglich aus Südamerika zu uns gebracht wurden. Aber auch unbewusst konnten Neophyten zu uns eingeschleppt werden – etwa als Frachtgut von Schiffen oder Flugzeugen oder als Beimischung im Saatgut (z. B. Ambrosie).


Sind Neophyten „problematisch“?

Neophyten werden oft als problematisch wahrgenommen, da sie potentiell die bereits in einem Gebiet beheimateten Pflanzenarten verdrängen können. Was viele jedoch nicht wissen: Die meisten ursprünglich gebietsfremden Arten, die sich bei uns etablieren konnten, stören nicht oder stellen keine Gefahr dar. Von etwa 10 % der etablierten Neophyten gehen unerwünschte Auswirkungen aus, wie problematische ökologische Effekte für Umwelt und Artenvielfalt oder wirtschaftliche Schäden. Solche „Problem-Arten“ werden als invasiv bezeichnet – das sind in etwa 40 Arten in Deutschland.


Und obwohl es nicht viele sind, gefährden die als problematisch und invasiv bewerteten Neophyten zusammen mit den invasiven Neozoen (gebietsfremde Tierarten – wie dem Ochsenfrosch oder dem Asiatischen Marienkäfer) die biologische Vielfalt und spielen eine große Rolle beim Artensterben: Invasive Neophyten und Neozoen sind nach der Lebensraumzerstörung die wichtigste Ursache für den Rückgang der Arten.


So werden Neophyten als Problemarten angesehen, wenn sie sich unkontrolliert ausbreiten und dabei in der Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen andere vorhandene Arten verdrängen – und dadurch auch die Artenvielfalt und Lebensräume gefährden. Hierzu gehört z. B. der Japanische Staudenknöterich, der schnell große und „blickdichte“ Bestände bilden kann, unter denen oft noch nicht mal mehr Gras wachsen kann. Dadurch werden andere Pflanzenarten verdrängt und viele spezialisierte Insekten können keine Nahrung mehr finden.


Auch können Neophyten wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen haben: So kann die durch z. B. Vogelfutter verbreitete Beifuß-Ambrosie Allergien auslösen. Der Riesen-Bärenklau wiederum wirkt phototoxisch – nach dem Kontakt mit Pflanzenteilen und insbesondere dem Pflanzensaft kann es bei Sonneneinstrahlung zu schweren Verbrennungen auf der Haut kommen.


Was tun gegen ungewollte „Problem“-Neophyten?

Diese problematischen invasiven Neophyten werden zu deren Kontrolle und Bekämpfung der Ausbreitung in nationalen „schwarzen Listen“ (Bundesamt für Naturschutz) und internationalen Listen geführt: So sind derzeit auf der „Unionsliste“ von Europa 14 Pflanzenarten gelistet, die in Deutschland vorkommen – darunter Riesen-Bärenklau, Drüsiges Springkraut oder Götterbaum, die auch im Berchtesgadener Land vorkommen: Um eine weitere Ausbreitung dieser problematischen invasiven Neophyten zu verhindern und dadurch die Biologische Vielfalt zu schützen, gibt es hier neben einem europaweiten allgemeinen Verbot, diese Arten in der freien Natur auszubringen, artspezifische und zielgerichtete Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen.


So lässt sich das Drüsige Springkraut vergleichsweise einfach entfernen, indem man die Pflanzen konsequent ausreißt oder abmäht – und zwar kurz bevor es zur Fruchtreife und zu „springenden Samen“ kommt. So ist man nach etwa fünf Jahren das Springkraut los. Bei anderen Neophyten wie dem japanischen Staudenknöterich muss man allerdings härtere Geschütze auffahren: Denn einmal etabliert, bekommt man diesen hartnäckigen Zeitgenossen nur schwer und mit viel Aufwand wieder los. So müssen die Pflanzenbestände – am besten in Kombination mit dem gezielten Einsatz von Herbiziden – über mehrere Jahre hinweg bis zu achtmal jährlich heruntergeschnitten werden und die verbliebenen energiespeichernden Kriechsprosse im Boden weiter ausgehungert werden, indem man den Boden mit einer lichtundurchlässigen Plane abdeckt (z. B. Teichfolie). Durch die entstehende Hitze unter der Folie und das komplette Fehlen von Sonne hat man den Knöterich nach einigen Jahren abgetötet.


Da ist es natürlich einfacher, wenn es gar nicht erst zur Ansiedelung oder unbeabsichtigten Ausbreitung der Pflanzen kommt: Die Beifuß-Ambrosie etwa siedelt sich gerne auf „gestörten“ Flächen an – also auf Böden, auf denen es keine geschlossene Pflanzendecke gibt, wie etwa Straßenränder, Äcker oder im heimischen Garten unter Vogelfutterstellen, wo mit Ambrosiasamen verunreinigtes Vogelfutter auf den Boden herunterfällt. Im letzteren Fall kann man zum Beispiel beim Kauf auf ambrosiasamenfreie Vogelfutterprodukte achten.


Bei Interesse und Fragen zu den Neophyten, ihrer Ausbreitung und möglichen Bekämpfungsmaßnahmen können Sie sich gerne an den Kreisgartenfachberater Josef Stein wenden. Dieser steht unter +49 8651  773 853 oder per E-Mail unter kreisgartenfachberatung@lra-bgl.de für eine Beratung oder zur Unterstützung gerne zur Verfügung.


 

Der Riesenbärenklau – ein giftiger Gigant

Sein Name ist Programm: Teils über drei Meter hoch, bis etwa 2,5 Meter breit, mit auffällig gezackten Blättern, die über einen Meter breit werden können, einem bis zu 10 cm dickem Stängel, einer mächtigen bis 60 cm langen Pfahlwurzel und einem Dolden-Blütenstand aus bis zu 80.000 weiß- bis rosafarbenen Blüten der bis zu 80 cm Durchmesser hat – das ist der Riesenbärenklau, der ursprünglich aus dem Kaukasus stammt und der sich in Europa und in Nordamerika als invasiver Neophyt ausbreitet – und als solcher hierzulande bekämpft wird.


Die als Herkulesstaude oder Bärenkralle bekannte Pflanze ist eine gebietsfremde Pflanzenart, und damit ein sogenannter „Neophyt“. Sie wurde als Zier- und Gartenpflanze nach Deutschland gebracht. Seit etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts breitet sich die Art bei uns aus. Sie wächst gerne auf nährstoffreichen, feuchten Böden, insbesondere in Bereichen mit gestörter Vegetationsdecke. Daher findet man sie in Acker- und Wiesenbrachen, an Waldrändern, am Wegesrand oder entlang von Flüssen und Bächen, wo sie sich anhand seiner schwimmfähigen Samen über längere Distanzen ausbreiten kann.


Die einmalig blühende Pflanze lebt nur 2 Jahre und entwickelt erst im zweiten Jahr einen Blütenstand. Dabei kann eine Pflanze bis zu 50.000 Samen bilden, die größtenteils mit dem Wind, aber auch durch Tiere, landwirtschaftliche Maschinen oder mit dem Flusswasser mehrere Kilometer weit verbreitet werden.


Diese auffällige Pflanze hat als einzelne Pflanze zwar weniger negative ökologische Auswirkungen, tritt sie jedoch in Massenbeständen auf, lassen die bereits früh im Jahr ab Februar keimenden und schnell wachsenden Pflanzen mit ihren großen Blättern nur wenig Licht durch, sodass andere Pflanzenarten verdrängt werden.

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Giftig – Bitte Abstand halten!

Der Riesenbärenklau zählt bei uns zu den prominentesten und „problematischen“ Neophyten und wird weniger wegen seiner ökologisch schädlichen Wirkung als problematisch bewertet und bekämpft, sondern vielmehr aufgrund seines giftigen Pflanzensaftes: So enthält die gesamte Pflanze sogenannte Furanocumarine als Abwehrstoffe gegen Fraßfeinde. Der Pflanzensaft wirkt phototoxisch: Auf der Haut kann der Pflanzensaft in Kombination mit Sonnenlicht schmerzhafte Reaktionen auslösen – quaddelähnliche Blasen auf der Haut, die an Verbrennungen dritten Grades erinnern, langsam abheilen und dabei Narben oder Pigmentflecken hinterlassen können. Hält man sich an heißen Tagen länger in unmittelbarer Nähe zur Pflanze auf, kann es auch ohne direkten Kontakt zu Atemnot, Schweißausbrüchen oder Kreislaufproblemen kommen, da die Fucocumarine in die Umgebungsluft abgegeben werden.


Vorsicht – Verwechslungsgefahr

Doch es besteht kein Grund zur Sorge – der Riesenbärenklau kommt hier im Landkreis zwar vor, dies aber recht selten – und die Wahrscheinlichkeit auf einen ungiftigen Doppelgänger statt dem Riesen-Bärenklau zu treffen ist wesentlich höher. So gibt es einige einheimische Wildpflanzen, die ihm recht ähnlich sehen, aber im Gegensatz zum Riesenbärenklau häufig verbreitet sind – wie der Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondyliun), der Engelwurz, Giersch, die Große Bibernelle und entfernt der Wiesenkerbel oder der Wilde Fenchel. So sind die Blätter des Riesenbärenklaus beispielsweise charakteristisch tief gezackt, während die des Wiesenbärenklaus rundlicher ausfallen. Daher muss man manches Mal schon genauer hinschauen, sodass nicht aus Versehen anstatt des Riesenbärenklaus ein unproblematischer oder sogar ökologisch wertvoller Pflanzenvertreter entfernt wird.


Was tun gegen den Riesenbärenklau?

Eine Bekämpfung von Riesenbärenklau ist meist langwierig und aufwendig: Erste kleinere Bestände lassen sich am besten beseitigen. Die Pflanzen müssen dabei entfernt werden, bevor sie aussamen können. So kann man die Pflanzen schon im Frühjahr oder auch im Herbst ausgraben oder deren Pfahlwurzel etwa 10 - 15 unterhalb der Erdoberfläche abstechen. Alternativ kann der Fruchtstand abgeschnitten werden. Das sollte aber nicht zu früh geschehen – denn wenn der Fruchtstand vor der Samenbildung und Fruchtreife abgeschnitten wird, kann die Pflanze später nochmals Blüten bilden oder im Jahr darauf neu austreiben. Erst bei der Samenbildung wird der in der Pfahlwurzel enthaltene Stärkespeicher aufgebraucht und die Pflanze hat keine Energiereserven mehr zum erneuten Austrieb. Der richtige Zeitpunkt liegt so etwa ab Mitte bis Ende Juli, wenn die Mitteldolde bereits grüne größere Früchte ausgebildet hat – jedoch bevor sich die Früchte braun verfärben.


Eine Nachkontrolle bis in den Herbst und auch in den Folgejahren ist zudem wichtig, um etwaig weitere keimende Pflanzen zu entfernen. So können bereits im Boden vorhandene Samen mehrere Jahre überdauern, bevor sie auskeimen – was bei einer derart großen Anzahl von 50.000 Samen pro Pflanze nicht zu unterschätzen ist.


Die Pflanzenreste sollten verbrannt oder heißkompostiert werden – oder verpackt in Plastiksäcke über den Restmüll bzw. den kommunalen Wertstoffhof entsorgt werden.


Bei den Bekämpfungsmaßnahmen sollte man Schutzkleidung tragen, um nicht mit dem Pflanzensaft in Kontakt zu kommen. Die Maßnahmen sollten zudem eher an kühleren, bewölkten Tagen durchgeführt werden und auch in den Tagen nach der Bekämpfung sollte eine Sonnenexposition vermieden werden. Verwendete Arbeitsgeräte wie Spaten und Sense sollten gereinigt werden und auch mögliche betroffene Hautpartien (bei Berührung von Pflanzenteilen) mit Wasser und Seife oder Spiritus gewaschen werden.


Der Riesen-Bärenklau ist in Deutschland zwar nicht meldepflichtig, dennoch bittet Kreisgartenfachberater Josef Stein darum, Bestände zu melden. Dieser steht unter +49 8651 773853 oder per E-Mail an kreisgartenfachberatung@lra-bgl.de gerne für eine Beratung oder zur Unterstützung zur Verfügung.


 

Das Drüsige Springkraut – ein sprunghafter Vertreter


Ihre Samenkapseln stehen im reifen Zustand so stark unter Druck, dass sie bei Berührungen schlagartig aufplatzen und die Samen herausschleudern – ein Spaß für Kinder und viele junggebliebene Erwachsene. Von diesem Verbreitungsmechanismus leitet sich auch der Name der Pflanze ab: Das Drüsige Springkraut. Auch Indisches Springkraut, Himalaya-Balsamine oder Bauernorchidee genannt, ist es mit seinen meist rosafarbenen stark duftenden Blüten sehr auffällig.
 

Die langen, rötlichen Stiele des Springkrauts erinnern entfernt an Bambus, mit dem sie ein schnelles Wachstum gemein haben: So kann es binnen kürzester Zeit 2 bis 3 Meter hoch werden und damit andere Pflanzen schnell überdecken. Diesen fehlt dann das Licht zum Wachsen.
 

Für sein schnelles Wachstum braucht das Springkraut nährstoffreiche, feuchte, nicht zu schattige Standorte und so findet man es häufig entlang von Waldwegen, Waldrändern, Gräben, Bachläufen oder in feuchten Wiesen. Dabei kann es sich besonders gut an offenen Stellen breitmachen, also in Bereichen, die relativ vegetationsfrei sind.
 

Die einjährige Pflanze kann während ihrer Blütezeit von Juni bis zum einsetzenden Frost im Oktober 2000 bis 3000 Samen bilden. Diese werden bis zu 7 Meter weit weggeschleudert, wenn die reifen Samenkapsel z.B. durch herabfallende Regentropfen berührt werden und aufplatzen. Darüber hinaus können abgerissene Pflanzenteile durch Flüsse und Bäche über weitere Distanzen verdriftet werden und weit entfernt am Ufer wieder wurzeln.

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Nektarliefernder Neophyt mit asiatischen Wurzeln

Das Springkraut ist ein Neophyt, also eine ursprünglich nicht heimische bzw. gebietsfremde Pflanze – und stammt aus dem westlichen Himalaya. Von dort wurde die Art im 19. Jahrhundert als Zier- und Gartenpflanze sowie als Bienenflutterpflanze nach England gebracht und bald in vielen europäischen Gärten kultiviert. Recht schnell verwilderten die Pflanzen und breiteten sich über die Gärten hinaus aus. Heute ist das Drüsige Springkraut in Europa verbreitet und kommt auch im Berchtesgadener Land sehr häufig vor, besonders in den niederen Tallagen.
 

Im Vergleich zu anderen „invasiven“ Vertretern der Neophyten, also gebietsfremden Pflanzen, die heimische Pflanzenarten verdrängen können, wird das Drüsige Springkraut als weniger problematisch bewertet. An sich entwickeln sich Dominanzbestände erst im Hochsommer, bis dahin können viele andere Pflanzenarten ungehindert wachsen und Blüten ausbilden. Da die meisten bedrohten heimischen Pflanzenarten auf selten gewordenen nährstoffarmen Böden wachsen, ist das Springkraut mit seinem großen Nährstoffbedarf auch seltener ein verdrängender Konkurrent zu diesen. Auch wird das Überleben der Pflanze durch den Frost eingeschränkt, die Pflanze ist nicht winterhart.
 

Außerdem ist die Pflanze mit ihren reichhaltig nektarführenden Blüten eine bis spät ins Jahr blühende Bienenweide und eine attraktive Pflanze für viele blütenbestäubende Besucher wie Honigbienen oder Hummeln. Aber damit stellt sie auch eine Konkurrenz für andere vorkommende und heimische Pflanzen dar.
 

Für Menschen ist die Pflanze wie alle Springkraut-Arten schwach giftig. In hoher Dosierung wird das Springkraut als Brechmittel angewandt, in geringer in harntreibenden Tees. Die Samen sind genießbar, sie sind ölhaltig und schmecken stark nussig. Aus ihren Blättern kann ein Henna Farbstoff gewonnen werden.


Wie wird man das Drüsige Springkraut los?

Die Bekämpfung des Springkrauts ist im Vergleich zu anderen invasiven Neophyten wie dem Staudenknöterich leichter, da es einjährig ist und sich hauptsächlich durch seine Samen ausbreitet: Die Pflanzen können als Ganzes ausgerissen, größere Bestände können gemäht werden. Wichtig bei der Bekämpfung durch Mahd ist der richtige Zeitpunkt. Am besten wird in der Blütezeit gegen Ende Juni, vor der Samenreife gemäht. Mäht oder Rupft man nach der Samenreife, platzen die Samenkapseln auf. Mäht man zu früh, kann das Springkraut bei einem warmen Herbst neu Blüten und Früchte bilden. Da im Boden vorhandene Samen bis zu sechs Jahre keimfähig sind, müssen die Flächen mindestens drei Jahre gemäht werden.
 

Fragen zum Thema beantwortet Kreisgartenfachberater Josef Stein. Unter +49 8651 773-853 oder per E-Mail unter kreisgartenfachberatung@lra-bgl.de steht er gerne für eine Beratung oder zur Unterstützung zur Verfügung.


 

Der Japanische Staudenknöterich – (Un)gebetener Gast mit Durchschlagkraft


Ursprünglich aus Ostasien als Bienenweide, Zierpflanze und Viehfutter nach Deutschland gebracht ist der Japanische Staudenknöterich hier heutzutage unerwünscht: Durch seine enorme Wuchskraft verdrängt er einheimische Pflanzen und kann sogar Mauern zerstören, Flussufer destabilisieren und wirtschaftliche Schäden anrichten. Doch was tun gegen diesen hartnäckigen Pflanzen-Neubürger?


Der Japanische Staudenknöterich oder Japanknöterich (Fallopia japonica) ist eine schnellwüchsige ausdauernde Staude mit gewissen Ähnlichkeiten zu Bambus: So können die hohlen, kräftigen Stängel bis zu 10-30 cm pro Tag wachsen und die Pflanze kann schnell 3 bis 4 Meter hohe dichte Bestände bilden, unter denen aufgrund von Platz- und Lichtmangel teils noch nicht mal mehr Gras wachsen kann.
 

Den Winter überdauert der Knöterich in bis zu 2 Meter tiefen Wurzeln. Aus den Knospen in den horizontal verlaufenden Rhizomen werden neue Triebe gebildet. So breitet sich der Japan-knöterich bis zu einem Meter im Jahr in die Fläche aus. 2/3 seiner Biomasse sind in dem Rhizomen und Wurzeln gebunden, welche so starkwüchsig sind, dass sie Mauern und Asphaltdecken durchwachsen können.


Der Japanische Knöterich verbreitet sich fast nur über Wurzel- und Rhizomteile. Samen werden fast nicht ausgebildet, da in Europa fast ausschließlich weibliche Exemplare vorhanden sind. Bei den nah verwandten Arten des Sacharin-Knöterich und der Kreuzung dieser Arten, dem Böhmische Knöterich, hingegen treten in unseren Breiten weibliche und männliche Pflanzen auf.

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Der Japanknöterich kann fast überall wachsen und kommt bevorzugt an für sein schnelles Wachstum vorteilhaften feuchten bis nassen, nährstoffreichen, kies- oder lehmartigen kalkärmeren Böden vor, auf die genügend Licht einfällt. So wächst er bei hier vorzugsweise an Bach- und Flussufern, entlang von Waldrändern oder Bahndämmen.
 

Beheimatet ist der Staudenknöterich in China, Korea und Japan, wo er sowohl auf trocken-mageren Kiesböden als auch auf nährstoffreichen nassen Böden vorkommt oder sogar als alpine Pflanze auf vulkanischen Schutt- und Aschefeldern wächst.
 

Ursprünglich wurde der Knöterich von Philipp Franz von Siebold, einem bekannten Naturfoscher, 1825 als Nutzpflanze nach Europa gebracht und sollte hier als Zierpflanze und Viehfutter dienen. Er wurde sodann gezielt durch die Forstwirtschaft angebaut, wurde von Imkern als eine im August und September recht spätblühende Bienenweide gerne gesehen und auch in Gärten wegen seines schnellen und hohen Wachstums als Sichtschutz genutzt.
 

Doch die Eigenschaften, weswegen die Pflanze eingeführt wurde, hatten auch unerwünschte Effekte – so zählt der Japanknöterich heute zu den problematischen, invasiven Neophyten und ist als solcher in der Natur unerwünscht, da er durch seine schnell wachsenden, robusten Dominanzbestände heimische Pflanzen verdrängt und damit auch den Tieren schadet, die sich von diesen ernähren. Dadurch kann er das Artgefüge in einem Ökosystem stören. Zwar stellt die spätblühende asiatische Zierpflanze eine beliebte Bienenpflanze dar, das wiegt aber nicht die Schäden auf, die er in der Natur und Landschaft anrichtet: So können Bestände das Abflussverhalten von Fließgewässern beeinträchtigen, Ufer- und Dämme destabilisieren oder Schäden an Hausfundamenten und in der Straßendecke anrichten.

 

Was tun gegen den Japanknöterich?

Am besten bekämpfen lässt sich der Japanknöterich, in dem man unbeabsichtigte Ausbreitungen durch Gartenabfälle oder Bau- und Erdmaterial vermeidet – denn einmal etabliert lässt sich die Pflanze aufgrund ihrer hohen Regenerationsfähigkeit und der Rhizombildung nur sehr schwer und langwierig bekämpfen. Oft wird der Staudenknöterich mit geliefertem Oberboden verbreitet. So muss nach Humusarbeiten darauf geachtet werden, ob sich der Knöterich im Folgejahr ausbreitet und gegebenenfalls frühzeitig ausgegraben werden.
 

Um den in den Wurzeln und Rhizomen gespeicherten Energievorrat der Pflanze zu erschöpfen und so die Pflanze „auszuhungern“, müssen die Bestände spätestens bis zu einer Länge von etwa 40 cm gemäht werden. Das kann im ersten Jahr bedeuten, achtmal und in den Folgejahren vier- bis sechsmal zu mähen. Wichtig dabei ist, das Schnittgut und somit die Nährstoffe abzutransportieren. Außerdem können auch aus den Trieben neue Pflanzen entstehen.
 

Durch das Abdecken mit einer starken, reißfesten und lichtundurchlässigen Folie – am besten Teichfolie – wird die Pflanze zusätzlich durch Wasser- und Lichtentzug sowie starker Hitze so gestresst, dass sie nach ca. zwei bis drei Jahren unter der Folie eingeht. Wichtig dabei ist, dass die Folie ein bis zwei Meter über Umfang des Knöterich-Wachstums hinausgelegt wird, damit dieser nicht der Abdeckung „davonwächst“.


Das Ausgraben von Rhizomen bei etablierten Beständen ist extrem anstrengend bis nicht erfolgversprechend, da die Kriechsprosse sehr brüchig sind und sich neue Pflanzen bereits aus kleinsten zurückgebliebenen oder abgebrochenen Fragmenten neu bilden. Die tiefreichenden Wurzeln kann man nicht komplett entfernen, sodass die Pflanze immer wieder neu austreiben kann. Nur durch wiederholtes Ausstechen hungert die Pflanze mit der Zeit aus.
 

Um eine weitere Verbreitung zu verhindern, sollten gemähte Pflanzenteile nicht im eigenen Komposthaufen kompostiert werden. Die problematischen Pflanzenteile können jedoch über den Biomüll oder Grüngutabfälle in den kommunalen Wertstoffhöfen entsorgt werden.
 

Fragen beantwortet Kreisgartenfachberater Josef Stein unter +49 8651 773853 oder per E-Mail an kreisgartenfachberatung@lra-bgl.de.

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