Bedarf für zwei neue Bahnhaltepunkte bestätigt

Sicherheit & Verkehr
13. November 2015

Im Auftrag des Landkreises wurde eine Potentialuntersuchung für drei neue Bahnhaltepunkte an der Bahnstrecke Mühldorf – Freilassing zwischen den Bahnhöfen Laufen und Freilassing durchgeführt. Für zwei neue Bahnstationen in Freilassing Nord und Surheim wurde jeweils ein großes Potential wie auch ein positives Kosten-Nutzen-Verhältnis festgestellt. Der Landkreis hat den Ergebnisbericht bereits dem Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr sowie der Bayerischen Eisenbahngesellschaft zugeleitet.

Der neue Bundesverkehrswegeplan befindet sich jetzt in der Schlussphase der Ausarbeitung. Nach derzeitigem Planungsstand soll die Öffentlichkeitsbeteiligung zum 1. Entwurf des Bundesverkehrswegeplans Ende 2015 stattfinden. Vor diesem Hintergrund möchte Landrat Georg Grabner erneut den vordringlichen Bedarf eines durchgehend zweigleisigen Ausbaus der Bahnstrecke München - Mühldorf - Freilassing anmahnen: „Nur mit einem zweigleisigen Ausbau dieser Bahnverbindung können die für eine leistungsfähige Binnenmobilität in unserer Region so wichtigen Schienenpersonenverkehre und Schienengüterverkehre bedarfsgerecht verbessert werden.“  


Die Firma Gevas Humberg & Partner aus München erhielt den Auftrag, die von den drei Gemeinden Freilassing, Laufen und Saaldorf-Surheim gewünschten neuen Bahnhaltepunkte Freilassing Nord, Gastag und Surheim näher zu untersuchen. Als Grundlage für die Fahrgastprognose bis 2025 dienten u.a. Zähldaten der Südostbayernbahn und die Bevölkerungsentwicklung jeder Gemeinde auf Basis von Bevölkerungsvorausberechnungen des Bayerischen Statistischen Landesamts. Zum Schienenfahrplan wurden zwei Planfälle ausgearbeitet, ein Stundentakt und ein 30-Minuten-Takt jeweils für den Betriebszeitraum von 6 Uhr bis 22 Uhr.  


Im Ergebnis darf festgehalten werden, dass an der Bahnstation Gastag in der Gemeinde Laufen nur eine geringe Nachfrage zu erwarten ist, während die Bahnhaltepunkte Freilassing Nord und Surheim mit einer sehr hohen Priorität weiterverfolgt werden sollten.


Hier die prognostizierten Ein- und Aussteiger an Werktagen:  

Bahnstation                Stundentakt                30-Minuten-Takt
Gastag                                27                                      41
Surheim                            178                                    266
Freilassing Nord                509                                    763  


Neben der Potentialprognose wurde im Rahmen des Auftrags für die drei Haltestationen auch eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (vereinfachtes Projekt-Dossier-Verfahren) durchgeführt. Hierbei hat man als Kosten insbesondere die Nachteile der durchfahrenden Fahrgäste, den Betrieb der Bahnstation und den Kapitaldienst für ortsfeste Infrastruktur angesetzt. Diese sind dem errechneten Nutzen aus vermiedenen PKW-Fahrleistungen unter Beachtung von PKW-Betriebskosten, Abgasemissionen, durchschnittlichen Fahrleistungen innerorts und außerorts und weiteren Variablen gegenüberzustellen.


Während für die Erlangung der Wirtschaftlichkeit (Nutzen-Kosten-Verhältnis 1,0) an der Station Gastag beim Planfall Stundentakt werktäglich mindestens 65 Ein- und Aussteiger erforderlich wären, reichen dazu in Surheim bereits 45 und in Freilassing Nord nur 42 Ein- und Aussteiger.


Landrat Georg Grabner: „Bei einem Gespräch mit Herrn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt in Berlin im Oktober habe ich ausführlich die komplexen Abhängigkeiten in unserer Region vom vollständig zweigleisigen Ausbau der Ausbaustrecke 38 München-Mühldorf-Freilassing dargelegt. Richtung Traunstein kann der Schienenpersonennahverkehr mit neuen Haltepunkten und dichterer Taktfolge ebenfalls nur dann realisiert werden, wenn durchgehend ein zweites Bahngleis zwischen München, Mühldorf und Freilassing gebaut wird.“


Erster Bürgermeister Josef Flatscher, Stadt Freilassing: "Als Bürgermeister der Stadt Freilassing sehe ich einen Bahnhaltepunkt Freilassing Nord als wichtigen Bestandteil, um dem Berufsverkehr eine attraktive Alternative zum PKW bieten zu können – und damit das Industriegebiet Nord für die Arbeitnehmer bestmöglich anzubinden. Aber auch die anliegenden Wohngebiete werden dadurch neu erschlossen und für umliegende Betriebe entsteht ein neues Kundenpotential. Somit freut es mich umso mehr, dass die Potentialprognose dies erneut untermauert und die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit herausgestellt wird.“  


Der Laufener Erste Bürgermeister Hans Feil bedauert das Ergebnis aus der Potentialprognose, dass die Wirtschaftlichkeit beim Bahnhaltepunkt Gastag für das Erreichen des erforderlichen Nutzen-Kosten-Quotienten nicht gegeben ist.  


Und der Erste Bürgermeister Bernhard Kern von der Gemeinde Saaldorf-Surheim sagt: „Durch die positive Entwicklung der Gemeinde Saaldorf-Surheim in den vergangenen Jahrzehnten ist der Druck gewachsen, den 1994 aufgelassenen Bahnhaltepunkt Surheim wieder einzurichten. Viele Bemühungen in persönlicher und schriftlicher Form wurden an das Eisenbahnbundesamt, die Bayerische Eisenbahngesellschaft, das Bayerische Verkehrsministerium unter Beiziehung der Stimmkreisabgeordenten Michaela Kaniber mit Verweis auf die Dringlichkeit einer Wiederinbetriebnahme gerichtet.  


Im Rahmen des Ortsentwicklungskonzepts führte die Gemeinde Saaldorf-Surheim im Sommer 2015 eine Bedarfsabfrage bei Bevölkerung und Gewerbetreibenden durch. Das Ergebnis ist sehr eindeutig ausgefallen. Dies ergibt sich schon aus der Tatsache, dass im nahegelegenen Gewerbegebiet rund 1.000 Personen beschäftigt sind und sich 380 Personen aus der Saaldorf-Surheimer Bevölkerung an der Bedarfsabfrage beteiligt haben. In die Potenzialuntersuchung ist die Bedarfsabfrage miteingeflossen.  

Ein Wunsch aus der Bevölkerung war und ist die Verbesserung und Anpassung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Gemeinde Saaldorf-Surheim. Ein wichtiger Schritt wäre zunächst die erneute Einrichtung der Bahnstation in Surheim, was die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde und ich als Bürgermeister als sehr positiv erachten würden. Weitere Schritte umfassen die Linienbusverbindungen Richtung Freilassing und Laufen, die ebenfalls an den Bedarf angepasst werden müssen.  

Vielen Dank dem Landkreis für die Unterstützung und die Beauftragung der Potentialuntersuchung zu einem nachweislich erforderlichen Bahnhaltepunkt in Surheim.“

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