Lebenshunger statt Lebensfrust!

Jugend, Familie & Soziales
16. Mai 2019

Kennst du deine persönliche Schatzkiste?

„Essstörungen aus der Anonymität holen, ihnen ein Gesicht geben und die Sprachlosigkeit überwinden“. Kürzlich wurde mit der Ausstellung „Klang meines Körpers“ zum dritten Mal im Berchtesgadener Land über ein wichtiges Thema informiert. Neben Terminen für die Öffentlichkeit, haben auch Schulklassen ab der 8. Jahrgangsstufe sowie eine Jugendleitergruppe in der Galerie im Alten Feuerhaus in Bad Reichenhall an einem Workshop zur Prävention von Essstörungen teilgenommen. Die von den Präventionsstellen im Landratsamt organisierte Ausstellung bot eine Plattform, sich über Essstörungen zu informieren, einen Einblick in die Lebenswelt von Betroffenen zu erhalten, aber auch Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten kennenzulernen.


Die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen und medialen Vorstellungen von „perfekten“ Frauen und Männern wurde mit großem Interesse bearbeitet. Die Schatzkisten der Betroffenen waren mit Dingen gefüllt, die ihnen geholfen haben, die Essstörung zu überwinden und sie dienten der Verknüpfung zu den persönlichen Schatzkisten.


Wenn von Essstörungen gesprochen wird, kommen schnell die bekannten Krankheitsbegriffe wie Magersucht und Bulimie ins Gedächtnis. Weitere Formen von Essstörungen – wie die Esssucht oder Muskelsucht - sind eher unbekannt. Doch was genau sind Essstörungen, wie zeigen sich diese und welche möglichen Faktoren begünstigen eine solche Krankheit? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich die teilnehmenden Schulklassen und schnell wurde klar, dass mehr hinter Essstörungen steckt, als der Wunsch schlank zu sein. Häufig entwickeln sich diese im schulpflichtigen Alter, insbesondere in der Pubertät und der damit einhergehenden Zeit der Identitätsfindung. „Wer bin ich? Wer will ich sein?“ Bei der Beantwortung dieser Fragen sind neben den Freunden vor allem (soziale) Medien Orientierungspunkte für die Kinder und Jugendlichen.


Kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und medialen Botschaften

Die Schülerinnen und Schüler zeigten insbesondere Interesse an der Auseinandersetzung mit den gesellschaftlich propagierten Schlankheits- und Schönheitsidealen, der medialen Beeinflussung und den geschlechtsspezifischen Erwartungen an Frauen und Männern und bekamen im Workshop einen Rahmen für Diskussion und kritische Reflexion. Alle Schulklassen kamen zum Ergebnis, dass wahre Schönheit sich nicht ausschließlich über das äußere Erscheinungsbild definiert, wie beispielsweise über einen muskulösen Körper oder 90-60-90-Maße, sondern dass ein schönes Lächeln, Selbstbewusstsein, eine positive Ausstrahlung und eine Vielzahl an inneren Werten für sie selbst bedeutsamer sind.


Kennst du deine persönliche Schatzkiste?

Eine wichtige Botschaft des Projektes lautet „Du kannst es schaffen! Du bist der Schlüssel zu Dir selbst“. Den Betroffenen war es wichtig, auch kreative Wege aus der Essstörung aufzuzeigen, die gleichermaßen auch einen vorbeugenden Charakter besitzen und symbolisch in Form von Schatzkisten ausgestaltet wurden. Jeder Mensch besitzt eigene Fähigkeiten, Stärken und Talente – in jedem von uns schlummert ein Schatz. Sich seiner positiven Seiten bewusst zu sein und die eigenen Bedürfnisse, Gefühle, Wahrnehmungen zu erkennen, ist ein wichtiger und großer Bestandteil eines positiven Selbstbildes. Die Schülerinnen und Schüler sollten auch für sich selbst herausfinden, welcher Schatz in ihnen schlummert und welche eigenen und außenstehenden Ressourcen zur Verfügung stehen.


Hilfe holen ist ein Zeichen von Stärke

Die Rückmeldungen zu der Ausstellung und den Workshops waren durchwegs positiv. Es zeigte sich, dass die Botschaften des Projekts bei den Schulklassen ankamen und diese auch auf andere Lebensbereiche übertragen werden konnten. Auch die Hürde Hilfe holen, in Anspruch zu nehmen und Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen wurde besprochen. An vielen Schulen gibt es bereits die Schulsozialarbeit, aber auch Lehrkräfte können nicht nur in schulischen Angelegenheiten weiterhelfen.


Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für die Workshops stellten die Caritas Fachambulanz und die Psychologische Beratungsstelle zur Verfügung. Ein großer Dank geht auch an die Unterstützung durch die AOK Bayern vertreten durch Christian Kraup.


Hier gibt es weitere Informationen rund um das Thema Essstörungen sowie zu den geplanten Folgeveranstaltungen.


Fragen beantworten gerne die Organisatorinnen, Sarah Tichowitsch, Präventionsstelle im Amt für Kinder, Jugend und Familien im Landratsamt Berchtesgadener Land, unter +49 8651 773 428 oder sarah.tichowitsch@lra-bgl.de sowie Sandra Kunz, Präventionsstelle im Gesundheitsamt im Landratsamt Berchtesgadener Land, unter +49 8651 773 838 oder sandra.kunz@lra-bgl.de.

Kontakt

Frau Tichowitsch