Heimerziehung – Eingliederungshilfe

Eltern wissen, dass Erziehung kein Kinderspiel ist. Im Familienalltag gibt es Probleme, Schwierigkeiten und Krisen. Kinder und Jugendliche entwickeln sich nicht immer nach den Wünschen und Vorstellungen der Eltern, sondern gehen ihren eigenen Weg. Manche Schwierigkeiten und Anforderungen können Eltern nicht ohne Hilfe von Fachleuten bewältigen und manchmal fordern atypische Entwicklungsverläufe und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen fachkundige Unterstützung. Wenn es nicht gelingt, mit ambulanten Möglichkeiten geeignete Hilfen anzubieten, gewährt das Amt für Kinder, Jugend und Familien Heimerziehung bzw. Unterbringung in einer geeigneten Wohnform.

 

Da Heimerziehung immer mit einer Trennung von der Familie und dem gewohnten Umfeld verbunden ist, wird diese Hilfeart auf die Fälle beschränkt, in denen alle anderen Möglichkeiten ausscheiden. Heimerziehung ist in der Regel auf einen bestimmten Zeitraum beschränkt. Bei Beginn dieser Hilfe wird mit den Eltern, dem jungen Menschen und der Einrichtung ein Hilfeplan erstellt und das Ziel der Heimerziehung und die voraussichtliche Dauer festgelegt. Der Hilfeplan wird regelmäßig geprüft. Die Höhe des Kostenbeitrags der Eltern wird seitens des Amtes für Kinder, Jugend und Familien nach Prüfung der finanziellen Situation festgesetzt.

 

Kinder und Jugendliche, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, haben Anspruch auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. "Seelisch behindert" bedeutet, dass die seelische Gesundheit mit hoher, das heißt mit wesentlich mehr als einer fünfzigprozentigen Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweichen muss (nach § 35a Abs.1 S. 1 Nr. 1 SGB VIII). Eine Bedrohung besteht dann, wenn eine Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nach fachlicher Erkenntnis mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist (§ 35a Abs.1 S. 2 SGB VIII). Anders als bei der Hilfe zur Erziehung hat hier das Kind oder der Jugendliche einen eigenständigen Anspruch, nicht der Personensorgeberechtigte. Junge Volljährige, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, können Eingliederungshilfe im Leistungsrahmen des § 41 SGB VIII erhalten. Somit sind neben den Voraussetzungen, die nach § 35 a SGB VIII gegeben sein müssen, zusätzlich die Leistungsvoraussetzungen nach § 41 SGB VIII zu erfüllen.

 

Maßnahmen nach § 35a bzw. § 41 i.V.m. § 35 a SGB VIII setzen neben einer drohenden oder bereits vorhandenen seelischen Behinderung zusätzlich voraus, dass eine Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist (§ 35a Abs.1 S. 1 Nr. 2 SGB VIII), das heißt, dass ein soziales Integrationsrisiko hinzutritt, das die Entwicklung des Kindes oder des Jugendlichen bzw. jungen Volljährigen, seine Eingliederung in die Gesellschaft und sein Heranwachsen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit aller Voraussicht nach nicht unerheblich beeinträchtigen wird.

  • Jugendhilfeantrag
  • Geburtsurkunde des jungen Menschen
  • Negativattest (= Sorgerechtsnachweis bei alleinigem Sorgerecht)
  • aktuelle ärztliche Atteste