Handlungsfeld Gesundheitsversorgung

Im Handlungsfeld „Gesundheitsversorgung“ geht es im Allgemeinen um die Optimierung der Zusammenarbeit von ambulanter, stationärer, rettungsdienstlicher, rehabilitativer, geriatrischer und palliativer medizinischer Versorgung. Das Erkennen von aktuellen/ zukünftigen Versorgungsengpässen und die Erarbeitung von regionalen Lösungsvorschlägen stehen hierbei im Vordergrund.

 

Die vorrangigen Themen und Ziele für das Handlungsfeld „Gesundheitsversorgung“, die im Gesundheitsforum beschlossen wurden, sind:

  • Zukünftige Sicherstellung der Haus- und Fachärzteversorgung im Landkreis
  • Verbesserung der Patienten- und Bürgerinformation zum ärztlichen Bereitschafts- und Notdienst
  • Verbesserung der zahnärztlichen Versorgung in Seniorenheimen.  


Die einzelnen Themen werden in den Arbeitsgruppen diskutiert und Lösungsmöglichkeiten für den Landkreis Berchtesgadener Land entwickelt. Durch die Zusammenarbeit und Kooperation können die Ideen umgesetzt werden.


Im Folgenden werden Maßnahmen vorgestellt, die zur Zielerreichung beitragen sollen:

Die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin ist in der Regel mit hohem Aufwand verbunden. Die erforderlichen Weiterbildungsabschnitte, die in den Kliniken und Praxen zu absolvieren sind, müssen eigens organisiert werden, was oft mit einem Ortswechsel und geringer Planungsmöglichkeit verbunden ist.


Mit Weiterbildungsverbünden kann man den Interessenten für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin entgegenkommen. In einem Weiterbildungsverbund schließen sich Klinikärzte, niedergelassene Fachärzte für Allgemeinmedizin und Fachärzte anderer Disziplinen zusammen, um den jungen Ärzten eine Komplettlösung für die Weiterbildung in Allgemeinmedizin für die gesamte Weiterbildungszeit von fünf Jahren bieten zu können. Mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung verpflichten sich die Partner, die gesamte Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin in der Region für die angehenden Hausärzte zu koordinieren und zu organisieren.


Auf die Vorarbeit und das starke Engagement des Ärztlichen Kreisverbandes Berchtesgadener Land konnte aufgebaut werden. Klinikärzte und niedergelassene Ärzte haben sich zusammengefunden und einen Rotationsplan für die angehenden Weiterbildungsassistenten ausgearbeitet. Die Gründung des Weiterbildungsverbundes Berchtesgadener Land kann somit 2017 erfolgen. Mit dem Weiterbildungsverbund können junge Ärzte das attraktive Arbeits- und Lebensumfeld im Berchtesgadener Land kennenlernen.

Aus einer Ärztebefragung konnte ein Meinungsbild zur Gewichtung der Entscheidungsgrundlagen für eine Tätigkeit als niedergelassener Arzt in unserem Landkreis entstehen. Die Einflussfaktoren, die eine Niederlassungsentscheidung in der Region fördern, sollen mittels geeigneter Medien stärker in den Fokus gerückt werden. Die Bearbeitung erfolgt durch Mitglieder der Arbeitsgruppe.


Deutlich zeigte sich aus der Befragung, dass neben den beruflichen Faktoren (z. B. Zeit für Patienten, flexible Arbeitszeitmodelle, kollegialer Austausch), auch die regionale Infrastruktur eine große Bedeutung hat. Dabei sind die landschaftliche Attraktivität in der Region Berchtesgadener Land, die vorhandenen Freizeitangebote sowie die Nähe zu Salzburg sind wichtige Punkte. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spielen eine Rolle. So sind beispielsweise die Arbeitsplatzmöglichkeiten für den Partner oder die Betreuungsmöglichkeiten von Kindern als wichtig angegeben worden.

Diverse Studien zeigen, dass sich Bürger und Patienten hinsichtlich der Zuständigkeiten zur ärztlichen Versorgung in besonderen Fällen oftmals unsicher fühlen. Dabei ist zwischen dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, der Notaufnahme an den Kliniken und dem Rettungsdienst zu unterscheiden. Der kassenärztliche Bereitschaftsdienst für den Landkreis (Telefon: 116 117) ist der primäre Ansprechpartner für akute Erkrankungen außerhalb der regulären Sprechzeiten. Zweitreihig steht auch die Notaufnahme an den Kliniken zur Erstuntersuchung zur Verfügung, ist aber primär für ernsthafte Notfälle oder Unfälle vorgesehen. Der Rettungsdienst (Telefon: 112), der über die Integrierte Leitstelle Traunstein alarmiert werden kann, steht bei lebensbedrohlichen Notfällen zur Verfügung.


Die für den Landkreis Berchtesgadener Land im Frühjahr 2017 bevorstehende Bereitschaftsdienstreform der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern sieht eine Bereitschaftsdienstpraxis im Landkreis vor. Die Änderungen, die sich damit ergeben, sowie die allgemeinen Hinweise zur Notfallversorgung sollen den Bürgerinnen und Bürgern mittels einer Informationskampagne vertraut gemacht werden. 

Eine gute Zahn- und Mundgesundheit trägt gerade bei älteren Personen oder Pflegebedürftigen wesentlich zur Lebensqualität bei und verhindert das Entstehen bestimmter Krankheiten. Für unseren Landkreis ist dieses Thema durch die veränderte Altersstruktur und die Zahl an Pflegebedürftigen entscheidend.


Die Kassenzahnärztliche Bundes-Vereinigung und der GKV-Spitzenverband möchten mit Rahmenvereinbarungen zwischen Zahnärzten und Pflegeeinrichtungen die zahnmedizinische Versorgung von dortigen Bewohnern verbessern. Die vertragszahnärztliche Versorgung in stationären Pflegeeinrichtungen soll somit sichergestellt und die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Versicherten berücksichtigt werden. Dies bedarf einer engen Vernetzung und Kooperation aller Beteiligten.


Das positive Beispiel einer funktionierenden Rahmenvereinbarung einer Zahnärztin und einer Pflegeeinrichtung im Landkreis Berchtesgadener Land wurde weiteren Pflegeeinrichtungen vorgestellt, die bei sich ebenfalls den Bedarf sehen. Die Zahnärzteschaft und die Leiterinnen und Leiter der Pflegeeinrichtungen im Landkreis Berchtesgadener Land stehen im Austausch und prüfen die Möglichkeit weiterer Rahmenvereinbarungen.